Logo Bergwandern

Almen und Berge

Impressionen aus den Bergen

Wanderungen

Almentour Zwölferspitz



Almentour Zwölferspitz

Almentour auf den Hochgern - rund um den Zwölferspitz. Fünf Einkehrmöglichkeiten liegen am Weg: die Staudacheralm nördlich des Zwölferspitz, südlich liegen das Hochgernhaus, die Enzianhütte, die Moaralm und die Agersgschwendtalm. Große Höhe, lange Gehzeit und eine weite Wanderstrecke führen insgesamt zu dem Prädikat "sehr anstrengend". Im Bild: Zwölferspitz aus Osten, rechts der Steilabbruch mit den Flächen der Staudacheralm (Erstwanderung: Juli 2015, aktualisiert: April 2020)

Abstract
Der Zwölferspitz ist der westliche Nachbar des Hochgerns, eigentlich nur ein Nebengipfel. Für Wandertouren ist er aber nur bedingt nutzbar. Es gibt kaum Routen zu seinem Gipfel und die wenigen undeutlichen Steige über viele Stufen und ausgesetzte Stellen sind nur für Profis. Wanderamateure gehen im wohlweislich aus dem Weg.
Aber man kann diesen Berg auf einfachen Routen umrunden und deshalb hat diese Tour auch seinen Namen, ergänzt mit dem Hinweis auf die Almen. Insgesamt fünf Einkehrhütten liegen direkt an der Strecke, eine auf der Nordseite, vier auf der Südseite.
Weitere Zielpunkte sind die Schnappenkirche mit ihrer guten Fernsicht und natürlich auch der Gipfel des Hochgerns. In Erinnerung bleibt aber auch der Aufstieg von der Staudacheralm hinauf zum Hochgern. Viele kleine Serpentinen prägen den Gang durch Wald und Latschen und es fließt dabei noch mehr Schweiß.
Schwierigkeit:53.0anstrengend (>40)
Tracklänge:16,5 kmlang (>15 km)
Wanderzeit:6:15 h*lang (>5 h)
Höhensumme:1200 mgroß (>800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
Wanderparkplatz Marquartstein622
Einmü Forststraße683 0:09
Schnappenkirche1095 1:10
Sattel Schnappenberg/Luchsfallwand1194 0:26
Staudacheralm1153 0:18
Einmü auf Hochgernweg1600 1:34
Gipfel Hochgern1745 0:20
Moaralm1410 0:43
Agersgschwendalm1030 0:44
Wanderparkplatz Marquartstein622 0:51
Gebirge, Lage, Karte
Chiemgauer Alpen, Untergruppe Chiemgauer Berge, Hochgern; östlich von Marquartstein. Karte: Kompass Wanderkarte (1:50000) Nr. 10, Chiemsee, Simssee bzw. AV Digital 2016 (USB Edition) 3D, Chiemgauer Alpen Mitte, bzw. GPS Garmin Oregon 600, TransAlpin V4 Pro.
Datum, Begleiter, Wetter
15.07.2015; Tassilo und Sepp sind mit mir zusammen diese insgesamt recht anstrengende Tour gegangen. Außer uns waren noch viele andere Wanderer unterwegs, auch auf der Staudacheralm, die erst nach längeren Wegen zu erreichen ist. Aber die wenigsten davon nahmen von dort den anstrengenden Aufstieg in Angriff. Über die vielen Wanderer auf der Südseite muss man sich nicht wundern. Es herrschte Hochdruckwetter mit hohen Temperaturen. Allerdings zierten den blauen Himmel etliche hartnäckig haltende Wolkenfelder. Da zudem weite Strecken durch den Wald verliefen, war das gut zu ertragen. Die Fernsicht war zwar möglich, aber durch die sehr diesige Luft nicht besonders klar.
Erreichte Gipfel
Der höchste Punkt der Tour liegt mit 1749 Meter am Gipfel des Hochgerns
Alm(en), Hütt(en):
Staudacheralm, Hochgernhaus, Enzianstüberl, Moaralm (Hochgern), Agersgschwendtalm , Außer den fünf genannten Almen bzw. Hütten sind nur noch die imposante Wallfahrtkirche St. Wolfgang auf dem Schnappenstein und die Bergwachthütte oberhalb der Agersgschwendtalm zu erwähnen. Nahe dem Hochgernhaus gibt es die ehemalige Weitalm, jetzt eine private Hütte.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
Waldparkplatz Marquartstein Ost; Adresse: Kleine Ötz 4, 83250 Marquartstein. Koordinaten: N = 47.75452, E = 12.472767; Geographische Daten: N = 47°45'16.3'', E = 12°28'21.9''; UTM-Daten: Z = 33T, E = 310593, N = 5292110; Gauß-Krüger: R-E = 4535553.669, H-N = 5290799.314. Der Startplatz ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht direkt zu erreichen, der Anmarschweg aus Marquartstein ist aber zumutbar. Für Rollstühle und Kinderwägen ist die Tour nicht zu machen. Damit wären bestenfalls die Schnappenkirche und die Agersgeschwendtalm zu erreichen.
Vom Parkplatz auf dem Karrenweg dem Wegweiser "Schnappenkirche" folgen und kurz darauf die Forststraße tangieren. Oberhalb der Forststraße auf dem Weg bleiben und diesem folgen, dann an einer Spitzkehre nach Norden durch den Wald in weiteren Kehren aufsteigen, vorbei an einer Trinkwasserfassung. Am Ende dieses Weges liegt die Schnappenkirche. Von dort ein paar Meter zurück (ist ganz wichtig, der Weg an der Kirche vorbei führt ins Tal!) und auf den Steig wechseln der an der Südflanke des Schnappen bergauf zu dem Sattel zwischen Schnappen und Luchsfallwand führt. Anschließend verläuft der Pfad an der Nordflanke der Luchsfallwand leicht bergab, mündet auf einen Versorgungsweg und kommt kurz darauf zur Staudacheralm. Ab der Alm geht es ein kurzes Stück nach Osten und dann nach rechts auf den Steig, der in unzähligen kleinen Kehren durch das breite Kar in den Hochgernkessel führt und auf den Weg einmündet, der von Westen kommt. Weiter aufsteigen bis zum Gipfel des Hochgerns, der im oberen Bereich zwischen den beiden Gipfeln eine kleine Wegschleife hat. Anschließend ein Stück zurück auf dem Aufstiegsweg, dann geradeaus weiter und die Südflanke des Zwölferspitz queren. Beim Hochgernhaus trifft man auf den Versorgungsweg, auf dem man über die Enzianhütte und Moaralm wieder in den Wald kommt. An der Bergwachthütte vorbei führt der Weg nun direkt zur Agersgschwendtalm. Dann auf dem sehr guten Versorgungsweg bergab gehen, wobei an einigen Stellen abkürzende Steige genutzt werden können. Der letzte davon führt als alter Karrenweg direkt zum Ausgangspunkt. Der Steckenteil vom Hochgerngipfel zurück zum Parkplatz ist identisch mit der Wanderung "Hochgern" (siehe Nachbartouren).
Anmerkungen:
Der Hochgern ist - wie andere Chiemgauer Berge auch - ein Gebiet mit vielen, schönen Almen, von denen die meisten als Brotzeitalmen geöffnet haben. In einer früheren Wanderung zum Gipfel dieses schönen Berges kam ich nicht zur Staudacheralm, diesmal führte mich aber der Weg ganz gezielt dorthin. Der weitere Aufstieg über diese nördlich liegende Alm ist mit seinen 600 Höhenmetern durch das Kar zwar völlig ungefährlich, aber weiß Gott kein Spaziergang. So ist es nicht verwunderlich, dass man am gesamten Berg nur ambitionierte Berggeher trifft. "Eine Seilbahn" - so der Almer der Moaralm - "haben unsere Väter glücklicherweise verhindert, auch einen Hubschrauberlandeplatz, den der Gunther Sachs haben wollte". So ist der Hochgern als ein sehr schöner Wanderberg erhalten geblieben, wenn auch mit nicht ganz kurzen Strecken. Außerdem hat er an seiner Ostseite noch etliche andere Almen, zu denen sich eine Wanderung ganz bestimmt auch lohnt. Es gibt also noch weitere Wanderziele in den Chiemgauer Bergen. Ja, und der Zwölferspitz? Natürlich trägt auch er ein Gipfelkreuz, der Weg dorthin ist aber für Senioren wie mich eine Nummer zu groß.

Benachbarte Wanderungen

Jochbergalmen-Runde
Jochbergalmen-Runde

Drei Kaser sind es, die zu den Jochbergalmen zählen, allesamt als Brotzeitalmen genutzt: Mesnerkaser, Bachmannkaser und Auerkaser. Östlich von Unterwössen stehen sie in unmittelbarer Nähe zueinander, südlich des Hochgerns. Der einfachste Aufstieg geht durch das Kaltenbachtal, den man zu einer Runde mit Abstieg über die Rechenbergalm ausweiten kann. Sofern noch Bedarf besteht, wartet das "Dampfschiff", ein recht exponierter Felsen, auch noch auf einen Besuch.

Almentour Silleck
Almentour Silleck

Das Silleck ist ein Nebengipfel des Hochgerns. Im Osten steht er und ist nur für Geübte zugänglich mit einer recht abenteuerlichen Verbindung zur Brachtalm. Aber die lassen wir aus, denn um die dortigen Osthänge herum ist eine recht spannende Wanderung möglich. Ausgangspunkt der Runde ist das Weisse-Achen-Tal. Vier Brotzeitalmen warten auf die Gäste: Bischofsfellnalm, Hinteralm, Vorderalm und Brachtalm. Es bedarf schon einer guten Kondidtion, sie alle aufzusuchen. Aber welche sollte man notfalls auslassen? Keine natürlich!

Rechenberg
Rechenberg

Der Rechenberg ist ein mittelhoher, kurzer Bergrücken südlich des Hochgerns. Im Westen liegt der große, im Osten liegt der kleine Rechenberg. Für Wanderungen sind aber beide ohne Bedeutung, der interessante Teil liegt dazwischen. Der Kreuzfelsen ist für einfache Wanderungen gut erreichbar, das Dampfschiff dagegen erfordert Mut und absolute Schwindelfreiheit. Der Aufstieg ab Unterwössen-Au lässt sich zu einer Rundtour ausbauen. Damit trifft man auf der Nordseite auf die drei Jochbergalmen (Auerkaser, Bachmankaser, Mesnerkaser), auf der Südseite liegt dann noch die Rechenbergalm.

Hammerer Graben
Hammerer Graben

Der "Hammerer Graben" ist ein Gebirgsbach östlich von Oberwössen. Immer nahe an seinem Lauf führt ein Wanderpfad nach oben, also durch eine recht romantische Schlucht. Oben angekommen trifft man auf die Feldlahnalm, die fast ganzjährig geöffnet hat (im Winter allerdings nur an den Wochenenden). Da Auf- und Abstieg für viele - zumindest im Sommer - zu wenig sind, lässt sich sehr gut eine Rundwanderung daraus machen, die zur Rechenbergalm hochgeht, ehe es über die Burgau-Alm wieder zurückgeht.

Hochgern
Hochgern

Der Hochgern und sein östlicher Nachbar, der Hochfelln, sind unstrittig die Könige der Chiemgauer Berge. Beide sin deutlich über 1700 mhoch und ringsum mit Almen gut bestückt. Eines aber unterscheidet sie ganz besonders: auf den Hochfelln kann man mit der Bahn fahren, Fuß gehen. Der einfachste Aufstieg geht ab Marquartstein über die Agersgschwendtalm und das Hochgernhaus hoch. Eine herrliche Fernsicht ist dann der Lohn für die etwas anstrengende, aber völlig ungefährliche Strecke.

Hochplatte (Chiemgau)
Hochplatte (Chiemgau)

Die Hochplatte ist ein klassicher Pyramidenberg östlich der Kampenwand, also im Chiemgau (es gibt Berge mit diesem Namen auch noch anderswo). Durch die allseitig steilen Wände wird er bestimmt nur von Bergliebhabern besucht. Die weniger ambitionierten Menschen tummeln sich eher an der Kampenwand oder weiter unten auf der Staffnalm.

Bilder zur Wanderung

Unter dem steilen Nordabbruch des Zwölferspitzes liegen die Flächen der Staudacheralm (links). Dahinter ist die Luchsfallwand zu sehen, rechts davon der Chiemsee mit den vorgelagerten Moorflächen.

Erster Höhepunkt der Tour ist die Schnappenkirche, eine Wallfahrtskirche, die dem heiligen Wolfgang geweiht ist. Wolfgang war vor mehr als 1000 Jahren Bischof in Regensburg. Dort gründete er u.a. eine Schule mit Chor, aus der letztlich die "Regensburger Domspatzen" hervorgegangen sind.

An der Schnappenkirche gibt es einen Aussichtspunkt mit einigen Ruhebänken. Wer nicht weiter wandern will oder kann, der hat die Möglichkeit, von dort einen phantastischen Blick ins Alpenvorland, speziell zum Chiemsee, zu genießen.

Wer von der Schnappenkirche aus noch etwa 45 Minuten weiterwandert, kommt zur Staudacheralm. Dort kann man ein kräftige Brotzeit und entsprechende Getränke bekommen.

Nach der stärkenden Brotzeit geht es "bergauf", 600 Höhenmeter am Stück, völlig ungefährlich, aber anstrengend. Bild: Nordwestflanke des Hochgern mit dem Kessel, durch den der Weg führt.

Die Rast am neuen Gipfelkreuz des Hochgern hat man sich allemal verdient – und die Fernblicke in alle Himmelsrichtungen auch.

Am Gipfelkreuz vorbei ist rechterhand der Hochfelln zu sehen, ein vergleichbarer Gipfel, auf den aber eine Seilbahn führt und damit auch weniger konditionsstarken Berggehern den Besuch erlaubt.

Ein Roter und ein Blauer treffen sich am Gipfel mit vertauschten Rollen: der Rote hat das blaue Hemd, der Blaue das rote. Natürlich gibt es ein Gipfelbuch auf dem Hochgern. Es ist aber etwas versteckt in der Tür der kleinen Kapelle aus Blech am Ostgipfel - und siehe da, diesmal haben es sich die Fans des FCB nicht nehmen lassen, das Buch mit einer Plastiktüte ihres Vereins vor Nässe zu schützen.

Vom Gipfel des Hochgerns geht der Blick nach Nordosten über das Gelände der Brachtalm (unten) und Vorderalm (mitte). Auch sie stehen auf meiner "To-Do-Liste" (Nachtrag: mittlerweile "standen").

An der Südflanke unter den Zwölferspitz liegen dann etliche Almen sehr nahe zusammen: links Moaralm, rechts Enzianstüberl, im Hintergrund Unterwössen.

Am Abstieg zur Agersgschwendalm erinnert eine Tafel an einem Baum an den vor fast 100 Jahren durch Blitzschlag ums Leben gekommenen Anton Blank. Zum einen freut es mich, dass man dieser Personen nach so langer Zeit noch gedenkt, zum anderen verpflichtet es uns Wanderer, die Schönheit der Berge auf unseren Touren als Geschenk zu genießen, das keineswegs selbstverständlich ist, angesichts der Gefahren, die es dort immer gibt.

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 21.10.2020