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Almen und Berge

Impressionen aus den Bergen

Wanderungen

Osser



Osser

Großer und kleiner Osser - Rundwanderung auf der Route "LO1". Kenner sagen, es wäre der alpinste Berg im Bayerischen Wald. Die Tschechen nennen ihn die "Brüste der Mutter Gottes". Es geht ab Lohberg ganz schön bergauf und kurz ist diese Tour auch nicht. Im Bild: die beiden Ossergipfel vom Arber aus gesehen - links der kleine, rechts der große Osser (Erstwanderung: Juni 2014; überarbeitet Januar 2020)

Abstract
Osser, der Grenzberg schlechthin im Nördlichen Bayerischen Wald. Kenner sagen, es wäre der alpinste Berg in diesem Gebirge. Er hat mit dem großen und kleinen Osser einen Doppelgipfel. Die Tschechen nennen den Grenzberg die "Brüste der Mutter Gottes". Einige sehr steile, enge und ausgesetzte Stellen auf den Wanderwegen erinnern tatsächlich an Berge in den Alpen.
Ein sehr wichtiges Merkmal ist auf alle Fälle die Grenze zu unserem Nachbarn, an der man ein Stück entlang geht, sofern man aus Lohberg aufsteigt. Aus Westen gäbe aber alternativ einen sogar noch kürzeren Aufstieg, der entweder über den kleinen Osser oder nördlich an ihm vorbei zum Hauptgipfel führt.
Dokumentiert wird die Grenzlage auch auf dem Osserschutzhaus, nur wenige Meter unterhalb des Gipfelkreuzes. Die Staatsgrenze verläuft dort direkt über die Terrasse. Aufgrund der beachtlichen Länge und Dauer der Tour hat sie die Einstufung "schwierig". Umso mehr freut man sich auf eine Pause und die Einkehr in diesem Schutzhaus. Die Bezeichnung "Schutzhaus" steht dafür, dass man dort auch übernachten kann.
Schwierigkeit:42.0anstrengend (>40)
Tracklänge:16,0 kmlang (>15 km)
Wanderzeit:6:10 h*lang (>5 h)
Höhensumme:714 mmittelgroß (400-800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
Osserparkplatz Oberlohberg720
Querung 1. Forststraße820 0:21
Querung 2. Forststraße930 0:22
Einmündung auf Grenze1220 1:04
Gipfel großer Osser/Osserschutzhaus1293 0:40
Bergwachthütte1250 0:12
Gipfel kleiner Osser1266 0:32
Künische Kapelle1230 0:29
Kreuzung „Gläserner Steig“670 1:20
Osserparkplatz Oberlohberg720 1:10
Gebirge, Lage, Karte
Nördlicher Bayerischer Wald, Grenzberg zu Tschechien im Lamer Winkel; Ausgangspunkt ist Lohberg. Karten: Kompass-Karte Nr. 195 - Nördlicher Bayerischer Wald (1:50000) bzw. bzw. GPS Garmin Oregon 600, TOPO Deutschland V 7 PRO.
Datum, Begleiter, Wetter
03.06.2014; Renate und Sigrid sind mit mir zusammen gegangen. Sigrid kann recht gut tschechisch und konnte uns einiges über Land und Leute erzählen. An diesem sehr schönen Wandertag hatten sich außer uns noch etliche andere Wanderer auf den Weg gemacht. Es waren durchaus Personen, die kein Problem mit einer anstrengenden Tour hatten. So wie wir das beobachtet hatten, kam von tschechischer Seite niemand zu diesem Berg herauf, obwohl man das natürlich kann. Es herrschte an diesem Tag überwiegend sonniges und trockenes Wetter. Zuweilen zogen aber auch einige Wolken durch, die dann einen kalten, "böhmischen" Wind zur Folge hatten. Die Fernsicht war brauchbar.
Erreichte Gipfel
Über zwei Gipfel führt diese Tour, wohlgemerkt beide über 1000 m hoch: Großer Osser (1293 m), Kleiner Osser (1266 m)
Alm(en), Hütt(en):
Osserschutzhaus , an weiteren Hütten oder Gebäuden sind die Bergwachthütte unter dem Osser (1260 m) sowie die benachbarte Künische Kapelle (1240 m) zu nennen. Am Rückweg nahe Eggersberg steht eine weitere Kapelle mit etlichen Totenbrettern. Natürlich ging es auch an etlichen Wohnhäusern und Bauerhöfen in Eggersberg und dem nördlichen Teil von Lohberg vorbei.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
Osserparkplatz Oberlohberg; Abzweigung vom Lärchenweg in Höhe Birkenweg nach rechts, etwa 100 Meter im Wald (nahe Hotel Arberblick). Der Weg zum Parkplatz ist ausgeschildert, kann aber leicht übersehen werden. Adresse: Osserparkplatz, Unterhaiderberg, D-93470 Lohberg. Koordinaten: N = 49.181362, E = 13.106329; Geographische Daten: N = 49°10'52.9'', E = 13°06'22.8''; UTM-Daten: Z = 33U, E = 361999, N = 5449343; Gauß-Krüger: R-E = 4580763.077, H-N = 5449943.768. Mit ÖPNV ist der Ausgangspunkt nicht direkt erreichbar, wohl aber Lohberg selbst. Für Kinderwägen und Rollstühle ist die Strecke nicht geeignet.
Vom Parkplatz im Wald geht es auf einem recht holprigen Steig sprichwörtlich über Stock und Stein (allerdings gefahrlos) nach Norden; der gesamte Rundweg hat die weiß/rote Markierung und Bezeichnung LO1. Auf dem Weg zur Staatsgrenze nach Tschechien kreuzt man zweimal eine Forststraße. Das weitere Stück zum Gipfel des großen Ossers geht dann an der Grenze entlang, nunmehr auf einem durchaus alpinen Pfad, teilweise mit Seilsicherungen. Unmittelbar am Nordhang des Ossers liegt das Osserschutzhaus, nur wenige Meter unter dem Gipfel. Anschließend geht es ein Stück zurück bis zu einer Abzweigung und dann am Südhang des Gipfels zur Bergwachthütte mit Hubschrauber-Landeplatz. Ein weiteres Stück südlicher führt der Weg durch den Sattel an der Künischen Kapelle vorbei und dann wieder bergauf zum Gipfel des kleinen Ossers. Auch dort muss das letzte Stück etwas geklettert werden. Nach dem Rückweg zur Künischen Kapelle beginnt der schier nicht enden wollende Abstieg nach Südwesten bis kurz vor Silbersbach (immer diesen Richtungsangaben folgen). An der Einmündung auf den "Gläsernen Pfad" geht der Weg nach links über die West/Ost-Traverse (immer leicht bergauf/bergab) über Eggersberg und zuletzt durch einige Häuser im Ortsteil Oberlohberg zurück zum Parkplatz.
Anmerkungen:
Der Osser ist mit seinen knapp 1300 m einer der höchsten Gipfel des Bayerischen Waldes. Die zu ihm hinauf führenden Routen sind durchaus anspruchsvoll. Das macht ihn zu einem Berg, der seine Liebhaber hat, sowohl auf bayerischer, als auch auf tschechischer Seite. "Touristen" in Sandalen wird man dort oben kaum finden. Als Grenzberg hatte er lange Zeit nicht den Zulauf, den ein Berg direkt an der Grenze hat. Zu groß war einfach die Gefahr, bei unbeabsichtigter Grenzverletzung gewaltigen Ärger zu bekommen. Nachdem das aber Geschichte ist, kann man es spannend finden, sich mit einem tschechischen Grenzschild fotografieren zu lassen. Wer auf den beiden Gipfeln gestanden und sich in dem Osserschutzhaus gestärkt hat, kann mit dem Gefühl wieder ins Tal gehen, wirklich eine schöne, ausgedehnte Bergwanderung gemacht zu haben. Aufgrund der Höhenmeter und der Länge ist diese Tour nach meiner Gruppierung "anstrengend".

Benachbarte Wanderungen

Riedelstein
Riedelstein

Großer und kleiner Riedelstein - zwei 1000er Gipfel im östlichen Ende des Kaitersberg-Höhenzuges. Weitere Berge dieser Höhe schließen sich nach Westen an. Mit dazu gehören auch ordentliche Kletterfelsen. Eine besondere Attraktion ist das Denkmal für Alexander Schmidt auf dem großen Riedelstein. Er wurde für seine Verdienste zur Organisation des ersten Oktoberfestzugs in München mit dem Namenszusatz "Waldschmidt" geadelt. Auf der Runde bis zur Kötztinger Hütte überquert man noch etliche weitere 1000er Gipfel.

Falkenstein
Falkenstein

Großer und kleiner Falkenstein, die östlichen Nachbarn des Arbers im Bayerischen Wald. Beide sind deutlich über 1000 Meter hoch und können in einer Rundwanderung bewältigt werden. Sie stellen das westliche Ende des Nationalparks dar, liegen folglich im Naturschutzgebiet. Aus Norden kommt man recht einfach zum Gipfel, aus Süden ist es deutlich steiler

Schwellsteig
Schwellsteig

Schwellsteig - eine einfache Rundwanderung nahe der Grenze zu Böhmen. Die Spuren früherer Waldnutzung mit Holztrift, der dafür nötigen Wasserführung und der Verpflegung der Waldarbeiter sind nicht zu übersehen. Das Gasthaus Schwellhäusl ist zudem auch heute noch ein gerne angesteuertes und weithin bekanntes Ziel. Baumsäge, Hacke, Keil und der Sapie spielen allerdings keine Rolle mehr.

Kaitersberg
Kaitersberg

"Kreuzfelsen am Kaitersberg". Man könnte diese Tour auch mit "Mittag-stein" bezeichnen. Der Räuber Heigl lässt grüßen. Es ist eine durchaus alpine Höhenwanderung im Bayerischen Wald vom westlichsten Punkt aus nach Osten bis zur Kötztinger Hütte, bzw. zum Steinbühler Gesenke. Ausgangspunkt ist das nördlich liegende Hudlach mit dem dortigen Wanderparkplatz.

Arber
Arber

Arber - das Gesicht des Bayerischen Waldes schlechthin, 1456 m hoch. Es ist der Berg ohne echten Gipfel. Der Sage nach hat der Teufel die Spitze abgerissen und in Richtung Donau geworfen, wo sie heute noch liegt. Natürlich ist der Berg dank der Seilbahn gut frequentiert, sowohl im Winter als auch im Sommer. Als Wanderer findet man aber auch recht ruhige Routen, vor allem aus Westen hoch.

Bilder zur Wanderung

Am Anfang steht immer der Wegweiser. Gut, dass er uns zunächst den Weg zum Wanderparkplatz anzeigt. Er liegt ein paar Meter im Wald, ist also aus der Ferne nicht zu sehen. Und er zeigt uns die Wanderroute an, die wir gehen wollen: "LO1" zum Osser. Hoffentlich stehen dann im Weiteren an neuralgischen Punkten noch mehr Schilder. Die anderen Ziele auf dem Schilderbaum sind für uns nicht von Bedeutung.

Der fragende Blick geht oft nach oben: wie weit ist es noch. Der große Osser lässt sich einfach nicht blicken. Wenn eine kleine Lücke im Wald entsteht sieht man bestenfalls den kleinen Osser. Zu erkennen ist er an dem recht großen, schlanken Gipfelkreuz.

Gipfel des großen Ossers, er liegt direkt an der Bayerisch/Tschechischen Grenze (links = Osserschutzhaus, darunter = Bergwachthütte mit Hubschrauberlandeplatz). Man sieht den Berg erst, wenn man kurz davor ist.

Gipfelkreuz am großen Osser. Es ist im Vergleich zu seinem Nebengipfel sehr klein, aber recht massiv.

Rückblickend erkennt man dann den Grenzverlauf über eine etwas weitere Strecke. Er geht immer auf dem Kamm der Berge dahin, egal wie schwierig dort das Gelände ist. Immerhin musste es für die Grenzposten auf beiden Seiten zugänglich sein.

Gipfelkreuz am kleinen Osser; dort oben gibt es ein Gipfelbuch.

Aufstiegsweg am Osser. Große Teile der Strecke gehen über Steinrinnen und Wurzelpfade.

Nach schweißtreibendem Aufstieg aus Lohberg kommt man an die deutlich sichtbare Grenze zu Tschechien.

Kurz dahinter ist es dann wirklich ernst. Das ist die Grenze! Heute kann man ohne Bedenken ein paar Schritte weitergehen, früher war dort unwiderruflich Schluss. Wie oft es damals zu Konflikten kam, kann niemand einschätzen, der nicht vor Ort zu tun hatte.

Ein kleiner Teil der Strecke vor dem Osserschutzhaus geht direkt an der Grenze entlang. Der Pfad ist beschwerlich, aber ungefährlich.

Im Sattel zwischen großem und kleinem Osser steht die Künische Kapelle, erst 1986 erbaut. Sie dient öfter für Maiandachten, Kirchweihfeste und dergleichen. Künisch bedeutet weltlich, königlich im Gegensatz zu kirchlich.

Unweit der Kapelle steht ein wunderschöner, restaurierter Grenzstein von 1772; allerdings nicht am Originalplatz an der Grenze.

Knapp unterhalb des großen Ossers steht die Bergwachthütte. Sie war vormals ein Grenzposten, hat diese Funktion aber nach dem Fall des eisernen Vorhanges verloren.

Blick vom Gipfel des kleinen Ossers in den wunderschönen "Lamer Winkel", das Tal des weißen Regens.

Gipfel des kleinen Ossers. Auch er hat einen steinigen Gipfel, ist aber vom Tal aus an mehreren Stellen zu sehen.

Fast geschafft. Sigrid kämpft sich durch die letzten Meter zwischen den Felsen durch und grüßt jetzt recht strahlend. Auch Renate ist froh, endlich oben zu sein. Den alpinen Charakter beweist der Berg mit solchen Stellen. Sie sind sehr eng und steil und zuweilen auch ausgesetzt. Eine kräftige Eisenstange dient als Geländer an solchen Stellen.

Blick vom kleinen Osser nach Westen. Im Nahbereich ist die "Osserwiese zu erkennen, dahinter dann wieder Wald. Die Berge werden dort rasch deutlich niedriger. Im hintergrundlinks ist noch der "Hoher Bogen" zu sehen. Der Aufstieg aus Westen wäre sogar eine noch deutlich kürzere Variante. Zwei Wanderparkplätze ("Ossersattel" und "Lambach") liegen deutlich näher an den beiden Gipfeln als der Parkplatz Lohberg. Im weiteren Hintergrund liegt dann noch Neukirchen beim Heiligen Blut. Dieser Namenszusatz zu einem Ort stammt von dem wohl wichtigsten Franziskaner-Kloster im Bayerischen Wald.

Weitaus weniger spektakulär als dieses Kloster ist wohl die Kapelle "zu unserer Lieben Frau" nahe Eggersberg. Ihrem privaten Besitzer ist sie bestimmt sehr viel wert. Er hält sie in sehr gutem Renovierungszustand. Sie steht ein paar Meter abseits des Weges und ist es allemal wert, dort ein paar Minuten zu verweilen.

Besonders aufgefallen sind uns dort die an der Wand angebrachten Totenbretter, Sie sind insofern etwas Besonderes, weil ein Brett für mehrere Personen ist und weil sie dem Augenschein nach ganz aktuell erst erneuert worden sind.

Auf dem weiteren Rückweg kommen wir über offenen Flächen, die uns einen Blick auf den nahe stehenden, unbestrittenen König des Bayerischen Waldes erlauben: auf den Arber

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 21.10.2020