Logo Bergwandern

Almen und Berge

Impressionen aus den Bergen

Wanderungen

Lusen



Lusen

Lusen - der deutlich andere Berg im Nationalpark Bayerischer Wald. Sein Gipfel besteht aus einem riesigen Steinhaufen (Schrofen); er macht ihn damit unvergesslich. Ich habe es mir gegönnt, den letzten Teil zum Gipfelkreuz sogar zweimal zu gehen. Im Bild: Blick aus Süden zum Gipfel des Lusen, bestehend aus Steinen. Es ist fast schon ein Gemälde, das Grau der Granitsteine wird durch ein zartes Grün von Flechten und Moosen ergänzt (Erstwanderung: Juni 2014; aktualisiert Februar 2020)

Abstract
Der Lusen mit seinem unverwechselbaren, kahlen Gipfel aus lose liegenden Steinen ist ein besonderes Merkmal des Bayerischen Waldes. Zusammen mit seinem westlichen Nachbarn, dem Rachel, prägte er das Bild vom damals einzigen Nationalpark in Deutschland. Eine solche Gipfelausformung ist einmalig. Üblicherweise liegt die Baumgrenze deutlich höher.
Kein Wunder, dass dieser Berg von jeher ein Ziel für eine Wanderung war und ist. Ein Aufstieg vom Lusenparkplatz aus ist auch für weniger konditionsstarke Personen zu bewältigen. Die Gestaltung dieser Strecke bietet sich als klassischer Rundweg an, auf dem es viel zu sehen gibt. Ich habe die Wanderung zum Lusen mit einem Hin- und Rückweg aus Waldhäuser etwas ergänzt.
Die Bedeutung des Lusen - und auch anderer Berge - als Wanderziel wird durch ein Schutzhaus in Gipfelnähe unterstrichen. Solche Häuser hatten von Anfang an die Funktion, als Übernachtungs- und Verpflegungsstation zu dienen. Beides nehmen sie in der Regel noch wahr. Es wäre zwar durchaus möglich, sich auf einer solchen Tour mit den mitgebrachten Speisen und Getränken zu versorgen. Das ist aber nicht der Sinn der Sache allein. Es gehört dazu, mit der Einkehr anderen Menschen in recht angenehmer, persönlicher Art zu begegnen. Die dabei entstehenden Erlebnisse machen den Wert einer Wanderung erst so richtig aus.
Schwierigkeit:33.0mittel (27.5-40)
Tracklänge:13,5 kmmittellang (8-15 km)
Wanderzeit:4:10 h*mittellang (3-5 h)
Höhensumme:575 mmittelgroß (400-800 m)
 
(*) In der Wanderzeit sind auch kleine Pausen zum Schauen und Fotografieren enthalten. Längere Pausen auf Gipfeln oder in der Hütte sind nicht enthalten.

Markante Punkte Höhe (m) ü NN Gehzeit (h:min) *) Entfernung
P&R-Platz Waldhäuser895
Ortsende Waldhäuser (Schild)1005 0:19
Waldhäuserriegel1150 0:30
Lusenparkplatz1114 0:19
Lusenschutzhaus1345 0:46
Lusen Gipfel1373 0:05
Lusenschutzhaus1345 0:06
Lusen Gipfel1373 0:05
Glasarche1176 0:51
Lusenparkplatz1114 0:18
Ortsende Waldhäuser (Schild)1005 0:35
P&R-Platz Waldhäuser895 016
Gebirge, Lage, Karte
Bayerischer Wald Mitte; Nationalpark, Grenze zu Tschechien. Der Berg liegt in der Gemeinde St. Oswald, nördlich einer Linie Spiegelau, Neuschönau, Mauth. Karten: Kompass Wanderkarte Nr. 106, Mittlerer Bayerischer Wald bzw. GPS Garmin Oregon 600, TOPO Deutschland V7 Pro.
Datum, Begleiter, Wetter
05.06.2014; Alleingang. Auf der Strecke von Waldhäuser zum Lusenparkplatz (und zurück) habe ich niemand angetroffen. Rund um den Lusengipfel, das Lusenschutzhaus und den Sommerweg konnte man etlichen Wanderern begegnen. Auch in der Hütte herrschte reger Betrieb. Der Himmel war an diesem Tag überwiegend stark bewölkt mit nur wenigen Wolkenlücken. Dadurch war es etwas kühl, insgesamt aber trocken. Die Fernsicht konnte man als gut bezeichnen.
Erreichte Gipfel
Der Lusen mit seinen 1373 m firmiert natürlich als der Gipfel dieser Tour schlechthin. Aber auch den Waldhäuserriegel mit 1150 m kann man durchaus auch als Gipfel zählen.
Alm(en), Hütt(en):
Lusenschutzhaus, Am Lusenparkplatz stehen einige Unterstände und sogar eine Toilette. Ansonsten ist nur noch eine weitere Schutzhütte an der gläsernen Arche zu nennen, auf die man unterwegs trifft, abgesehen von den Gebäuden des kleinen Ortes Waldhäuser am Ausgangspunkt dieser Tour.
Ausgangspunkt, Koordinaten, Route
P&R-Platz in Waldhäuser; direkt am Berggasthof Lusen bzw. gegenüber der Kirche. Adresse: Lusenstraße 26, 94556 Neuschönau.. Koordinaten: N = 48.928176, E = 13.462143; Geographische Daten: N = 48°55'44.1'', E = 13°27'43.7''; UTM-Daten: Z = 33U, E = 387357, N = 5420611; Gauß-Krüger: R-E = 4607245.816, H-N = 5422228.243. Nachdem der Ausgangspunkt ein P&R-Platz ist, kann man ihn auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Die Bewältigung der Strecke mit Rollstühlen und Kinderwägen ist nicht möglich, weil weite Teile der Wege und Pfade aus Treppen und Wurzelstufen bestehen.
Am Parkplatz überqueren wir die Lusenstraße und gehen an der Kirche vorbei auf den Guldensteig, der über eine Wiese führt. Er mündet ein Stück weiter oben wieder auf die Lusenstraße, der man bis zum Ortsende-Schild folgt, das aber schon deutlich außerhalb des Ortes steht. Dort geht es rechts ab auf einen Pfad mit dem Hinweis "Waldhäuserriegel". Ein gutes Stück später trifft man auf einen Querweg und geht erneut nach rechts. Über den Waldhäuserriegel (ein größerer, besteigbarer Felsen, der aber offiziell als Berggipfel zählt) und über einen Steg durch eine Moorfläche kommt man zum Lusenparkplatz. Dort muss man sich entscheiden, ob man direkt zum Gipfel geht, dann nach links. Ich entschloss mich aber erst zum Lusenschutzhaus zu gehen und musste mich folglich dem "Winterweg" zuwenden, einem gut präparierten, breiten Fahrweg, der bis zum Lusenschutzhaus bzw. von Osten auf den Gipfel führt. Ich bin erst mal aufgestiegen, weil ich mir nicht sicher war, wie sich die Sicht entwickeln würde. Dann ging ich zurück zum Lusenschutzhaus und stieg nach der Einkehr erneut auf den Gipfel auf. Von dort geht es nach Südwesten auf dem "Sommerweg" über die "Himmelsleiter" steil nach unten und geradeaus weiter bis zur "Gläsernen Arche". Ab dort führt ein Weg nach links zurück zum Lusenparkplatz. Der weitere Rückweg erfolgte dann wie der Aufstieg. Als Alternative für nicht so konditionsstarke Personen bietet es sich an, direkt am Lusenparkplatz zu starten. Das ist dann eine deutlich kürzere Wanderung.
Anmerkungen:
Der Lusen und der Rachel sind die Hauptberge der ersten Stunde im Nationalpark Bayerischer Wald. Die damalige Ausweisung umfasste nur das Gelände um die beiden Berge herum. Erst später kam dann die Erweiterung bis kurz vor Bayerisch Eisenstein bzw. Zwiesel hinzu. Diese Gegend - und insbesondere die angrenzenden Gebiete in der Tschechei - sind vor allem durch den absterbenden Wald berühmt/berüchtigt geworden, verursacht durch einen ungebremsten Befall mit dem Borkenkäfer und durch die Wirkung kräftiger Stürme. Diese Entwicklung ist lange sehr heftig und konträr diskutiert worden. Manche Waldbesitzer - gerade auch außerhalb der Schutzgebietsgrenzen - haben aber bis heute ihren Frieden damit noch nicht geschlossen. Jetzt etabliert sich ein neuer Mischwald, mit den bekannten Erst- und Folgeansiedlungen bestimmter Baumarten, die ein stabiles Ökosystem bilden. Beides kann man an vielen Stellen deutlich sehen: die alten, grauen Baumleichen mit den vermodernden Resten soweit das Auge reicht und den jungen, grünen Bewuchs dazwischen. Das ist aber nicht das Wesentliche des Lusens. Er ist ein Berg, der wie kein anderer einen blanken Gipfel aus unzähligen Felsbrocken hat. Oben gibt es nur ganz wenige, mickrige Bäumchen. Wer über die Felsbrocken geklettert und gesprungen ist - es gibt ganz oben keinen Pfad mehr - wird den Berg bestimmt nicht vergessen.

Benachbarte Wanderungen

Schwellsteig
Schwellsteig

Schwellsteig - eine einfache Rundwanderung nahe der Grenze zu Böhmen. Die Spuren früherer Waldnutzung mit Holztrift, der dafür nötigen Wasserführung und der Verpflegung der Waldarbeiter sind nicht zu übersehen. Das Gasthaus Schwellhäusl ist zudem auch heute noch ein gerne angesteuertes und weithin bekanntes Ziel. Baumsäge, Hacke, Keil und der Sapie spielen allerdings keine Rolle mehr.

Falkenstein
Falkenstein

Großer und kleiner Falkenstein, die östlichen Nachbarn des Arbers im Bayerischen Wald. Beide sind deutlich über 1000 Meter hoch und können in einer Rundwanderung bewältigt werden. Sie stellen das westliche Ende des Nationalparks dar, liegen folglich im Naturschutzgebiet. Aus Norden kommt man recht einfach zum Gipfel, aus Süden ist es deutlich steiler

Riedelstein
Riedelstein

Großer und kleiner Riedelstein - zwei 1000er Gipfel im östlichen Ende des Kaitersberg-Höhenzuges. Weitere Berge dieser Höhe schließen sich nach Westen an. Mit dazu gehören auch ordentliche Kletterfelsen. Eine besondere Attraktion ist das Denkmal für Alexander Schmidt auf dem großen Riedelstein. Er wurde für seine Verdienste zur Organisation des ersten Oktoberfestzugs in München mit dem Namenszusatz "Waldschmidt" geadelt. Auf der Runde bis zur Kötztinger Hütte überquert man noch etliche weitere 1000er Gipfel.

Arber
Arber

Arber - das Gesicht des Bayerischen Waldes schlechthin, 1456 m hoch. Es ist der Berg ohne echten Gipfel. Der Sage nach hat der Teufel die Spitze abgerissen und in Richtung Donau geworfen, wo sie heute noch liegt. Natürlich ist der Berg dank der Seilbahn gut frequentiert, sowohl im Winter als auch im Sommer. Als Wanderer findet man aber auch recht ruhige Routen, vor allem aus Westen hoch.

Brotjacklriegel
Brotjacklriegel

Im Bayerischen Wald gibt es viele 1000er Berge, die meisten davon im hinteren Teil und nahe der Grenze zu Tschechien. Einer davon steht aber ganz vorne nahe Deggendorf, nicht weit von der Donau entfernt. Diese exponierte Lage bedeutet eine hervorragende Fernsicht. Nicht umsonst steht dort auch der bekannte Funksender. Damit es auch noch gemütlich zugeht, hat des Turmbergstüberl als Teil des Aussichtsturmes (nicht des Sendeturmes!) zur Einkehr geöffnet.

Bilder zur Wanderung

Gipfelkreuz am Lusen. Ein schönes Holzkreuz mit Kruzifix steht inmitten von Felsbrocken. Es ist im Bayerischen Wald nicht unüblich, statt eines schlichten Kreuzes ein kunstvolles Kruzifix aufzustellen.

Ostaufstieg vom Lusenschutzhaus zum Gipfel. Es scheint stellenweise, als hätte jemand eine Steintreppe extra angelegt, aber - wie gesagt - nur stellenweise. Wohin man treten sollte ist nur durch die etwas blank abgetretenen Steine zu erkennen. Trittsicherheit ist auf jeden Fall gefragt. Vielleicht macht es Kindern Spaß, etwas abseits über größere Felsbrocken zu klettern.

Kurz nach der Abzweigung von der Straße oberhalb Waldhäuser geht der Pfad durch Buchenwald. Die dortigen Treppenstufen sind ein gute Hilfe für den Wanderer, macht das aber für Rollstühle unmöglich.

Waldhäuserriegel, ein Felsbrocken, den man begehen kann (wenn man sich traut). Aus der erwarteten Fernsicht wird nichts, weil die Bäume zu hoch sind. Natürlich war ich auf diesem Felsbrocken.

Die Wege im Nationalpark und dem umgebenden Gelände sind durchgehend gut präpariert. Hier führt ein Holzsteg über eine Moorstelle, an der es ohne dies Planken schwer würde, durchzukommen.

Weite Blicke zeigen immer wieder, welches flächenhafte Ausmaß die Walderneuerung umfasst. Wenn solche Bilder zu heftigen Diskussionen geführt haben, ist das nicht verwunderlich.

An etlichen Stellen ist die natürliche Erneuerung des Waldes aus der Nähe zu erkennen. Bäume sind abgestorben, ragen mit ihren Stümpfen noch in den Himmel. Teile davon liegen am Boden und vermodern. Dazwischen hat sich kräftiges, neues Grün entwickelt.

Gipfelansicht auf dem Lusen. Nur wenige Landschaftselemente gibt es auf dem etwas langgezogenen Gipfelkamm: Viele große und keine Steine, ein Gipfelkreuz, einen Wehweiser und ein paar mickrige Nadel- und Laubbäume.

Himmelsleiter. Ein langer, gerader Anmarschweg durch jetzt offenes Gelände mit dem Endanstieg. Unzählige Steinstufen und Treppenpassagen sind in der Bildmitte zu erkennen. Der Bau der Wanderwege ha daran nur wenig verändert. Natürlich kann man die Runde auch rechts herum gehen, muss dann aber die schier endlose Passage bergauf gehen.

Vom Gipfel des Lusen hat man einen Blick zum westlich liegenden Rachel. Daran erkennt man das Ausmaß des damaligen Waldsterbens, das vielen Menschen ein Schock war und heftigen Streit über den Sinn des Nationalparks ausgelöst hat.

Am Ende des Sommerweges steht die "Gläserne Arche", ein ganz besonderer Wegepunkt. Es ist ein Boot in Echtgröße, zusammengesetzt aus unzähligen, etwa 2 cm dicken Glasscheiben, getragen von einer hölzernen Hand. Ich befürchte, die hölzerne Hand wir irgendwann erneuert werden müssen. Hoffentlich tut das dann auch jemand.

Diesen Weg ging ich vor über 40 Jahren schon einmal. Es war ein richtiger Tunnel durch Hochwald bis zu den offenen Flächen mit den Steinen. Tja, so verändert sich die Natur.

Wer am Lusen wandert, sollte sich einen Besuch des nahen "Baumwipfelpfades" in Neuschönau nicht entgehen lassen. Er ist sehr lehrreich, man kann das Gleichgewichtsgefühl trainieren und vieles mehr.

Auf dem 44 m hohen "Holzei" bietet sich eine hervorragende Fernsicht in alle Himmelsrichtungen. Höhenangst sollte man dort oben aber nicht haben, sonst ist es eine Qual.

 

 

 

 

 

 

[Impressum] [Webmaster], Letzte Änderung am 21.10.2020